Loslassen

„In der lebendigen Natur geschieht nichts,

was nicht in einer Verbindung mit dem Ganzen steht“

Johann Wolfgang von Goethe

 

Von den warmen Sonnenstrahlen begleitet, spazierte der kleine Kaylam durch den blühenden Garten und bestaunte das Wunderwerk. Die Natur war in ihrer vollen Blüte und verschenkte großzügig ihre Düfte und zeigte sich in ihrer ganzen Fülle.

 

Kaylam suchte sich nun ein schönes Plätzchen für eine kleine Ruhezeit um inne zu halten. Er setzte sich in das weiche Gras, welches mit Moos durchwachsen war, inmitten der unzähligen Blumen, den Sträuchern, Kräutern und all den anderen Pflanzen.

 

Er schloss seine Augen und bat den Naturgeist um Unterstützung auf seine Fragen, die ihn beschäftigten. Nach einer kurzen Zeit eröffnete sich ihm vor seinem inneren Auge das Bild einer großen grünen Wiese:

 

Er befand sich mittendrin und pflückte voller Freude einen bunten Strauß unterschiedlicher Blumen und einen kleinen Zweig von roter Hagebutte, mit dem er die ganze Kraft der Natur verband. Beim Anblick des Straußes breitete sich ein wohliges Glücksgefühl in ihm aus. Er setzte sich nun in das Gras und wie ein Karussell begann er sich auf der grünen Fläche zu drehen. Den Blumenstrauß hatte er anfangs noch fest in seiner Hand. Diese öffnete sich zunehmend im Einklang der Drehungen immer mehr und die Blüten verteilten ihre Samen und feinen Blättchen in alle Himmelsrichtungen. Als die Spiraldrehungen langsam an Geschwindigkeit verloren und Kaylam zum Stillstand kam, betrachtete er erstaunt seine Hände. Die ganze Blumenpracht war verstreut und seine Hände waren leer. Er fühlte sich etwas traurig und fragte den Naturgeist, was dies zu bedeuten habe, wo er doch so einen wunderschönen Schmuck zusammengestellt hatte.

 

„Alles in der Natur unterliegt den ständigen Veränderungen. Ihr Menschen hängt oftmals an dem Bestehenden. Das Bild, das du gerade gesehen hast, ist ein Gleichnis der Natur. Sie gibt die Samen frei, wenn sie reif geworden sind, damit diese einen neuen Platz einnehmen können. Die Samen breiten sich an anderer Stelle aus. Durch den Drang wieder neu zu erwachen, wachsen sie über sich hinaus und bringen Freude durch ihren Anblick in die Herzen der Menschen. Dasselbe gilt auch für Dich! Du hängst oftmals an Dingen oder bestehenden Verhältnissen und kannst nicht loslassen, weil Dir nicht klar ist was danach kommt. Die Natur zeigt Dir durch den Samenflug, dass immer wieder etwas Neues entsteht, auch wenn Du es in diesem Augenblick noch nicht sehen kannst.“

 

Kaylam dankte dem Naturgeist und verneigte sich innerlich. Er konnte nun die Schönheit des Wechsels in der Natur besser erkennen und mit seinen eigenen Aufgaben in Einklang bringen.

 

PS: Kaylam ist Teil von nunmehr 3 Geschichten. Der Name stammt aus dem keltischen, irischen und bedeutet „der Seele innewohnend“

 

 

 

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