Denkschubladen

Um mich möglichst umfassend zu informieren, lese ich unter anderem im Internet in den großen Leitmedien und auch in den sogenannten „alternativen“ Medien. Ebenso schaue ich Videos auf unterschiedlichen Plattformen an, um mir letztlich eine eigene Meinung zu bilden.

Wie komme ich darauf mich mit dem Thema auseinander zu setzen?

Als gebürtiger Schwabe hörte ich in meiner Kindheit und auch heute immer wieder, dass die Norddeutschen Sturköpfe sind und es schwer ist mit den „Preußen“ warm zu werden. Ich wohne seit vielen Jahren in Nordfriesland und dort höre ich das Gegenteil, dass die Schwaben Eigenbrötler sind und „schaffe, schaffe Häusle baue“. Interessant nicht wahr?  Da steckt der Norddeutsche den Schwaben in die eine Schublade und der Schwabe den Norddeutschen in eine andere. Dieses einfache Beispiel richtet keinen großen Schaden an wenn der Einzelne das nicht zu persönlich nimmt. Ich selbst nehme es nicht persönlich, weil keine der Schubladen zu mir passt.

In der jüngsten Vergangenheit wird es immer anstrengender, radikaler und rücksichtsloser: „Verschwörungstheoretiker“ sind unterwegs, „Neo-Faschisten“ treiben ihr Unwesen, „Nazis“ bedrohen die Gesellschaft, „Ausländer“ haben die Schuld, usw. In alle möglichen Richtungen wird pauschalisiert ohne Dinge zu hinterfragen und der Sache auf den Grund zu gehen.

Die Gesellschaft gerät ins Wanken. Dies beschäftigt mich, da auch meine persönlichen Ansichten zum einen oder anderen Thema im „Volksmund“ eine „Verschwörungstheorie“ sind. Dies will ich nicht so stehen lassen, weil es schlichtweg für mich die Unwahrheit ist!

Ich verschwöre mich weder gegen eine einzelne Person noch gegen  bestimmte Gruppen. Ich will einfach Dinge verstehen und beschäftige mich dann auch mit dem jeweiligen Thema.

Zack- rein in die Schublade, und zu. Die nächste Schublade wird aufgemacht, Zack-rein und zu.

Warum ist das so?

Ich sage: Der Mensch ist meist einfach zu bequem, Dinge zu hinterfragen und selbst Nachforschungen anzustellen. Ein weiteres Beispiel aus dem Internet macht dies mit dem folgenden Pressetext noch konkreter: „Die 4 koordinierten Flugzeugentführungen haben am 11.September 2001 die Türme des World Trade Center in NewYork zum Einstürzen gebracht.“ Wer dies in Frage stellt und die Möglichkeit einer gezielten Sprengung der Gebäude erwähnt, und obendrein noch sagt, dass ein drittes Gebäude „WTC7“, gezielt gesprengt wurde, gilt als absoluter „Verschwörungstheoretiker“. Wozu Alternativen suchen oder selbst Nachforschungen anstellen, wenn doch alles sonnenklar ist. Da möchte man doch nicht alleine dastehen, bzw. sich in die berühmten Nesseln setzen.

Schubladen sind einfach zu bedienen!  Routinen, Gewohnheiten und bekannte Wege können hilfreich sein, oftmals sind sie jedoch auch sehr hinderlich.

Bestimmte Stichworte in Gesprächen öffnen oftmals von vornherein eine Schublade:

РSprechen wir über unterschiedliche Nationen oder Landstriche dann steht fest, dass in Bayern, jeder dritte „Sepp“ heißt, er hat eine Lederhose an und trinkt Weißbier. Berliner haben eine große Klappe, Franzosen essen Baguette, Italiener Pizza, Chinesen Reis und Griechen sind bankrott…

РJemand spricht über alternative Medizin. Der Schubladendenker sieht vor sich kleine weiße Kügelchen und hört dem Gegenüber schon gar nicht mehr zu, weil das für ihn sowieso alles Humbug ist.

РBeim Thema Berufe sind sich die Schubladendenker auch einig: Friseure haben keinen großen IQ, Beamte sind faul, Lehrer haben ständig frei. Fertig keine Diskussion.

РMobilität: Mercedesfahrer haben immer Vorfahrt, Motorradfahrer sind Raser, Radfahrer kennen keine Verkehrszeichen, und Rentner brauchen einen Rolli, damit sie nicht umfallen.

 

Was kann jeder Mensch selbst tun um sich vom Schubladendenken zu lösen?

Ich glaube wie bei so vielen Dingen, die wir verändern wollen brauchen wir zunächst die  Entschlossenheit  zur Veränderung. „Ich gehe der Sache auf den Grund, das will ich nun echt wissen!“ Dies erfordert Offenheit und Bereitschaft sich mit einem Thema, einer Person oder Meldung zu beschäftigen und auseinanderzusetzen. In unserer schnelllebigen Zeit der Veränderungen braucht es Disziplin und die eigene Erkenntnis der Notwendigkeit, entschlossen den Weg zur Quelle zu gehen und nicht mit der Masse zu schwimmen.

Machen wir uns bewusst, ob das was wir hören, lesen oder sehen, aus unseren eigenen Erfahrungen und Erkenntnissen entstammt, oder ob wir dies schlichtweg nur übernommen haben. Ohne dieses Bewusstsein nehmen wir immer mehr „Unrat“ auf, welcher ungeprüft in unserem Kopf landet. Dadurch werden wir zunehmend selbst mehr Teil der unkritischen Masse.

 

Viele Menschen finden kritisches Denken gut, das sagen sie zumindest. Wenn wir mit ihnen dann ins Gespräch kommen, entpuppt sich das kritische Denken oftmals nur als ein Lippenbekenntnis. Schnell wird klar, dass das was sie selbst an Kritik gegenüber anderen Personen oder über einen Sachverhalt äußern unumstößlich ist. Die Kritik des anderen wird entschieden zurückgewiesen, weil sie als persönlicher Angriff auf die eigene Person empfunden wird. So werden Politiker oder Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens von vornherein in eine bestimmte Schublade gesteckt. Egal was sie dann äußern, es ist einer kritischen Nachfrage nicht wert. Es geht gar nicht mehr darum, was gesagt wurde sondern nur noch wer etwas gesagt hat. Wenn bei unserer kritischen Nachfrage am Ende herauskommt, dass der andere Recht hatte oder umgekehrt, und wir unseren Irrtum eingestehen, dann ist das eine Stärke, denn Irren ist einfach menschlich.

Bei allen Betrachtungen komme ich immer wieder dahin, dass wir die Wahrheit in uns tragen und durch die Hinwendung zu unserer inneren Schöpferkraft  erhalten wir die Antworten auf unsere Fragen. Der Schlüssel ist die Liebe zum Schöpfer in uns.

In unserer Zeit braucht es Verständnis füreinander, aufeinander  zugehen, Menschlichkeit, Rücksicht und Demut vor der Schöpfung als Ganzes, um uns von den Schubladen loszulösen.

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„Gott ist immer in uns, nur wir sind zu selten zuhause“

Meister Eckhardt

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Kommentare: 1
  • #1

    Dagmar (Mittwoch, 15 Juli 2020 17:53)

    Lieber Uli,
    das hast Du super geschrieben, Danke für diesen Text.!!!
    Herzliche Grüße aus Hattstedt,
    Dagmar